Tag 20: Handschrift

Alles hat seine Handschrift. Sei es ein Unternehmen, ein Zuhause oder eine Person.

Der erste Eindruck eines Unternehmens, die Homepage, das Gebäude und Entree – alles trägt seine Handschrift. Die Mitarbeiter sind das Blut, welches das Herz des Unternehmens am Schlagen hält. Oder besser: Die Tinte. Kalligrafieren sie doch die kleinen Schwünge der Ober- und Unterlängen, setzen die i-Tüpfelchen. Und Punkte, die in der Eile auch mal verwischt werden, Kommata und Ausrufezeichen.

Fühlt sich keiner der Mitarbeiter und Führungspersonen für die Handschrift verantwortlich, verblasst das Bild des Unternehmens. Nicht genug damit, dass sich dieses nicht im Kortex des Kunden festsetzt. Verpasst es die Führungsebene zeitweilig der Firma auch nach innen eine Handschrift zu verleihen, ist weitaus mehr verloren, als ein paar Kunden. Ein guter Chef schreibt mit der Tinte die Geschichte des Betriebs. Mit größter Sorgfalt, Herz und Hand. Eine Vision zu Papier gebracht. Gemeinschaftlich, ohne dass die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit das Papier entzwei reißt.

Im Privatleben bietet sich mit der ersten eigene Wohnung die Möglichkeit, seine Handschrift auch eindeutig in mehr als vier Wänden durchscheinen zu lassen. Sie steht für den Aufbruch, das Ausprobieren und sich kennen lernen. Die Handschrift, die sich erst entwickelte, dann in der Jugend verwischte oder auch mal von der Grundlinie abwich, wird mit einem neuen Lebensabschnitt auch ein wenig neu erfunden. Linien werden neu gezeichnet, andere nachgezogen – bis die Handschrift immer klarere Konturen annimmt.

Und das sind wir: Unsere Handschrift auf eine Papierserviette gekritzelt.

Alles hat seine Handschrift. Ob es ein Unternehmen ist, ein Zuhause oder eine Person.
Ist es Zufall, dass sich unsere Handschriften so ähneln?

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